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Peter Altmaier warnt vor utopischen Zielen

Der für das Thema zuständige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) warnt jedoch vor übertriebenen Ideen. “Das zukünftige Thema Wasserstoff muss mit ehrgeizigen, aber nicht mit utopischen Zielen gefördert werden”, sagt Altmaiers Ministerium.

Die Warnung vor utopischen Zielen verbirgt einen Streit zwischen dem Bundesforschungsministerium und dem Bundeswirtschaftsministerium. Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat in den vergangenen Wochen wiederholt hohe Ziele für Wasserstoffproduktionskapazitäten verkündet: Sie hält eine installierte Elektrolysekapazität von zehn Gigawatt (GW) bis 2030 für realistisch. Das Bundeswirtschaftsministerium will dagegen einen Wert von drei bis fünf GW festlegen.

Elektrolyse ist der Schlüssel zur Produktion von grünem Wasserstoff. Wasser wird mit Strom aus erneuerbaren Quellen in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten. Der entstehende Wasserstoff ist CO2-frei, daher der Name “grüner Wasserstoff”.

Das Wirtschaftsministerium ist überzeugt, dass der Wert von zehn GW nicht erreicht werden kann. Aufgrund der begrenzten Fläche in Deutschland kann das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis 2030 auf 65 Prozent zu erhöhen, laut Wirtschaftsministerium nicht gleichzeitig mit dem Erreichen des Wasserstoffziels erreicht werden. Denn jedes Gigawatt Elektrolyseleistung geht verloren, um den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung zu erhöhen, da dieser Strom dann nicht mehr für den Endverbrauch zur Verfügung steht. Dieser Verlust ist aufgrund des begrenzten Raumpotentials, beispielsweise durch den Bau neuer Windkraftanlagen, schwer zu kompensieren.

Hinter den Kulissen ist die Suche nach einem Kompromiss in vollem Gange. Regierungskreise sagen, dass zwischen rein nationalen Elektrolysediensten und Elektrolysediensten, die mit europäischen Partnern oder Importen von grünem Wasserstoff erzielt werden, unterschieden werden kann. Damit wird das Ziel der technologischen Weiterentwicklung in Deutschland erreicht, aber gleichzeitig wird ehrlich gesagt, dass Importe aus dem Ausland erforderlich sind. Ein Ziel, das aus der Luft genommen wird, aber nicht realisierbar ist, schadet dem wichtigen Thema Wasserstoff mehr als es verwendet.

Blauer Wasserstoff als Ergänzung?

Die Frage, ob die Zukunft ausschließlich grünem Wasserstoff gehört oder ob auch blauer Wasserstoff Teil der Lösung sein könnte, bleibt unter den beteiligten Ministerien umstritten. Das Bundesumweltministerium und das Bundesforschungsministerium sehen blauen Wasserstoff kritisch; Die Geschäftsabteilung möchte es zumindest für eine Übergangsphase nutzen.

Blauer Wasserstoff wird auf der Basis von Erdgas erzeugt. Bei der Produktion von blauem Wasserstoff entsteht CO2, das abgetrennt und unterirdisch dauerhaft gespeichert werden muss.

Eine Allianz von Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien, darunter Enertrag, Greenpeace Energy und Naturwind, appelliert an Altmaier, blauen Wasserstoff aus der Strategie zu entfernen. Die Bundesregierung darf sich laut einer dem Handelsblatt zur Verfügung stehenden Erklärung der Unternehmensallianz ausschließlich auf grünen Wasserstoff verlassen. “Wenn die Regierung aus Erdgas gewonnenen Wasserstoff zulässt, wird dies eine gefälschte klimaschädliche Lösung ermöglichen”, heißt es in der Erklärung.

Laut Greenpeace Energy produziert die Produktion von blauem Wasserstoff bis zu 220 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Die CO2-Emissionen aus der Gewinnung, dem Transport und der Verarbeitung von Erdgas sind enthalten. Blauer Wasserstoff ist daher „in keiner Weise CO2-neutral, wie das Bundeswirtschaftsministerium behauptet“, heißt es in der Erklärung der Unternehmensallianz. Es muss daher von vornherein ausgeschlossen werden.

An anderer Stelle distanziert sich die Unternehmensallianz auch von Altmaier. In den Entwürfen der Wasserstoffstrategie wird vorgeschlagen, den Betreibern von Strom- und Gasnetzen den Betrieb von Elektrolyseuren zu ermöglichen, bei denen Wasser in “ein oder zwei Modellprojekten” in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird, und Änderungen des Rechtsrahmens zu überprüfen.

“Dies wäre ein schwerer Schlag für unabhängige, dezentrale Produzenten von grünem Wasserstoff”, warnt die Allianz von Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien. Speziell geschaffene Ausnahmen für Netzbetreiber würden dem EU-Recht widersprechen, warnen sie. “Die hart erkämpfte Entflechtung ermöglicht einen diskriminierungsfreien Zugang zur Netzwerkinfrastruktur und darf nicht zurückgewiesen werden”, warnen die Unternehmen.

Zaubertrank Wasserstoff? Das ist Teil der Energie und Hoffnung Europas

Dem Wirtschaftsministerium fällt es schwer, Netzbetreibern die Möglichkeit zu geben, Elektrolyseure zu betreiben. Es wurde jedoch kürzlich als sehr wahrscheinlich angesehen, dass mindestens ein oder zwei Pilotprojekte eine Ausnahme bilden. Dies betrifft die „Hybridge“ -Projekte von Amprion und OGE sowie „Element One“ von Tennet, Thyssen-Gas und Gasunie.

Das Wirtschaftsministerium lässt keinen Zweifel daran, dass Wasserstoff oberste Priorität hat. Minister Altmaier sagte, es sei wichtig für Deutschland, alle fossilen Brennstoffe langfristig zu ersetzen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. “Da Wasserstoff dabei eine Schlüsselrolle spielt, müssen wir jetzt die Weichen für Deutschland stellen, um weltweit die Nummer eins für Wasserstofftechnologien zu werden”, sagte die Sprecherin.

Mehr Wasserstoff – ein Retter oder eine Scheinlösung?

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