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So also geht Hygiene-Fußball (neues-deutschland.de)

Tribut an die Gelbe Wand: Dortmund-Spieler jubeln nach dem 4:0 gegen Schalke vor leeren Rängen.

Foto: dpa/Martin Meissner

So sieht Fußball in Coronazeiten aus: Weniger Brimborium ums gemeinsame Einlaufen, stattdessen halten die Teams bis zum Anpfiff gebührendem Abstand auf dem Spielfeld. Tore werden mit dem Ellbogengruß bejubelt, meistens jedenfalls, und am Spielfeldrand werden die Spielbälle regelmäßig desinfiziert. Ohne Fans bleibt das Spektakel allerdings gewöhnungsbedürftig. Die größten Aufreger am Samstag gab es in Hoffenheim und Dortmund.

Was war sportlich das Wichtigste?

Ganz klar: das mit viel Spannung erwartete Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04. Dank der stark aufspielenden Borussen war das 178. Aufeinandertreffen der beiden Pott-Klubs sogar wirklich die angekündigte Werbung für die Bundesliga, deren Rückkehr in den Spielbetrieb weltweit beachtet wurde. Selbst wenn die obligatorischen 80 000 Fans schmerzhaft vermisst wurden. 4:0 gewannen die Dortmunder, die sich damit den Bayern auf einen Punkt genähert hatten, bevor die Münchner am Sonntag in Berlin beim 1. FC Union antraten (n. Red.).

Was war nun so anders?

Sicherlich die Akustik dieser Corona-Geisterspiele. Statt des aufbrandenden und verstummenden Jubels herrschte eine drückende Stille, die nur vom dumpfen Balltreten und den widerhallenden Rufen der Spieler und Trainer unterbrochen wurde. In der Fernsehübertragung waren auch die Diskussionen zwischen Spielern und Schiedsrichtern klar vernehmbar – womöglich eine Ursache für das allerorten überraschend regelkonforme Auftreten der Fußballer?

Die Stille in der Arena war selbst einem erfahrenen Coach wie Christian Streich unangenehm: »Man hört sich immer schreien und denkt, schrei nicht so viel. Sonst kommen die Spieler noch durcheinander«, so beschrieb er nach dem 1:1 bei RB Leipzig in der Pressekonferenz seine Gefühle. Auch die Spieler fanden die fehlende Zuschauerkulisse befremdlich: »Das hatte ein bisschen was von U19-Bundesliga«, so Mohamed Dräger vom SC Paderborn gegenüber dem Sportinformationsdienst.

Im Fernsehen sahen die Begegnungen der deutschen Spitzenmannschaften teilweise aus wie Trainingsspiele. Der Bezahlsenders Sky hatte seinen Abonnenten angeboten, sich auf einer extra Tonspur Stadiongeräusche in die Liveübertragung mischen lassen. Die meisten Fans waren entsetzt. Die Anhänger machten am Wochenende ihre Ankündigung war: Rund um die Stadien gab es keine Menschenansammlungen .

Wer sorgte für Empörung?

Man sollte es nicht glauben: Hertha BSC, ausgerechnet der Klub, dessen Angestellter Salomon Kalou gefilmt hatte, wie wenig sich die Spieler an das Hygienekonzept der DFL halten. Die Hertha-Profis bejubelten ihre Tore beim 3:0 bei der TSG 1899 Hoffenheim so innig, dass sich alle Zuschauer nur verwundert die Augen gerieben haben dürften. Trainer Bruno Labbadia, der dem Klub damit ganz nebenbei zu einer sehr gelungenen Premiere nach dem Klinsmann-Schlamassel verholfen hatte, gab sich Mühe, seine Untergebenen zu verteidigen: »Wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Wir sind alle getestet worden und umarmen uns nur selber und nicht den Gegner«, sagte er nach dem Spiel.

Rein formal zumindest war den Herthanern nichts vorzuwerfen: Im »Organisations-Rundschreiben Sonderspielbetrieb« hatte die DFL zwar zu zurückhaltendem Torjubel aufgefordert, ihn jedoch nicht zur Auflage gemacht. Außer in Hoffenheim wurden zumeist brav die Ellbogen oder die Füße gekreuzt.

Ist das Experiment gelungen?

Nun ja: Natürlich kann man Fußball spielen, wenn man genügend gesunde Spieler zur Verfügung und eine Ausnahmegenehmigung der politisch Verantwortlichen hat. Aber: Macht das Spaß? Etliche Fußball-Weltstars zumindest äußerten am Samstag auf Twitter ihre Begeisterung über die Spiele, und auch die Bundesliga-Bosse beeilten sich, den ersten Spieltag als Erfolg zu feiern. »Es gibt keine Alternative, ich bin froh, dass es jetzt weitergeht« befand BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Das Geschäft läuft also wieder. Doch erst in den den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob das DFL-Konzept aufgeht, zumindest hinsichtlich gesundheitlicher Gefahren – bei den vereinsinternen Corona-Tests.

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