Strom isst Regelsatz (Tageszeitung junge Welt)

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Hochspannung: Strom ist in Deutschland teurer als anderswo in der EU

Wie kann man Arme ärmer machen? Ganz einfach: Sogenannte Subventionen werden nicht an steigende Preise angepasst. Sozialhilfeempfänger und Hartz IV spüren dies nicht nur bei der Anmietung einer Wohnung, sondern auch bei den Stromkosten. Während sie ab Januar genau 1,9 Prozent mehr zur Begleichung ihrer Rechnungen erhalten, werden rund zwei Drittel der Grundversorger ihre Preise im Durchschnitt um sechs, regional sogar um bis zu 15,1 Prozent erhöhen, wie das Vergleichsportal Verivox zu Beginn des Jahres mitteilte die Woche. Betroffene können in der Regel nicht zu günstigeren Anbietern wechseln. Weil sie die Bonität ihrer zukünftigen Kunden sorgfältig prüfen.

Die hessischen Stromversorger verzeichnen mit einem Plus von rund 6,6 Prozent das stärkste Wachstum. In Herborn fordern die Stadtwerke sogar 15,1 Prozent mehr als zuvor. Für Familien mit drei bis vier Personen mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden bedeutet dies laut Verivox eine Kostensteigerung von rund 200 bis 1.457 Euro. Im nordrhein-westfälischen Stemwede steigt der Strompreis des regionalen Versorgers ebenfalls um 13,5 Prozent. In Bremerhaven sind 12,7 Prozent mehr fällig, in Pößneck in Thüringen und an der Börse in Sachsen-Anhalt sind es rund zehn Prozent. Nur in Berlin und Hamburg wird diesmal die Grundversorgung weitgehend geschont. Dort zahlen sie schon am meisten.

Laut Verivox war der Strom für deutsche Haushalte bereits 2019 „teurer als je zuvor“. Im Vergleich der derzeit 28 EU-Mitgliedstaaten (Großbritannien wird erst Ende Januar 2020 ausreisen) war Deutschland ebenfalls Spitzenreiter. Zuletzt kostete eine durchschnittliche Kilowattstunde 29,46 Cent. Während eine Familie in Bremen "nur" rund 1.109 Euro für einen Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden ausgeben musste, kostete derselbe Strom in Hamburg 1.257 Euro, gefolgt von Schleswig-Holstein (1.241 Euro) und Berlin (1.220 Euro) ) und Brandenburg (1.206 Euro).

Die Anbieter begründen ihre Preiserhöhungen mit steigenden Nutzungsgebühren. Sie müssen diese an den Netzbetreiber zahlen, dessen Leitungen sie nutzen. Wie im Kapitalismus üblich, wenden sie dies auf die Verbraucher an. "In dünn besiedelten Regionen wie den ostdeutschen Bundesländern verteilen sich die Kosten auf weniger Haushalte, was häufig zu höheren Preisen führt", erklärt Verivox. Darüber hinaus belastet die träge Energiewende die Menschen. "Neue Leitungen, Wartung und der Ausgleich schwankender Stromeinspeisungen kosten Geld – am Ende zahlen die Verbraucher", heißt es im Portal.

Tatsächlich haben die Konzerne den Strom Ende 2019 nach Angaben der Vergleichsportale deutlich günstiger eingekauft als zu Jahresbeginn. Laut Check24 haben sie rund 32 Prozent weniger bezahlt. "Obwohl der Großhandelspreis für Strom um ein Drittel niedriger ist als vor einem Jahr, müssen die Kunden immer noch Rekordpreise zahlen", kritisierte Lasse Schmid, der bei Check24 für Energie zuständig ist.

Auch hier sind die Ärmsten am stärksten betroffen. Sozialverbände klagen seit Jahren über unzureichende Subventionen und damit über zunehmende »Energiearmut«. Dies drückt sich in konkreten Zahlen aus: Der akribisch kleine monatliche Regelsatz für Alleinbezieher von Hartz IV, Sozialhilfe oder Grundsicherung im Alter steigt zum 1. Januar um knapp 1,9 Prozent von 424 auf 432 Euro. Der darin enthaltene Betrag für Wohnen, Energie Auch die Instandhaltung von Wohnungen klettert um 1,9 Prozent auf rund 38 Euro. Die Pauschale würde dann rund 26 Prozent unter den tatsächlichen Stromkosten liegen, hatte sich der Energieexperte von Verivox, Valerian Vogel, bereits Mitte Dezember beschwert.

Noch drastischer: Denn nach dem Willen der Bundesregierung sollen die Empfänger dieser 38-Euro-Mini-Flatrate Geld für Reparaturen und Malerarbeiten zu Hause vorsehen. Sie müssen also einen zunehmenden Teil von anderen Gegenständen entfernen. Einzelpersonen können dann wählen, ob sie 150 Euro für Lebensmittel, 41 Euro für Kultur und Freizeit, 39 Euro für Kommunikation oder 16,42 Euro für Gesundheitsvorsorge sparen möchten. Und weil billigere Anbieter ihre Kunden überprüfen & # 39; "Sie müssen sich an teure Grundversorgungsleistungen halten", erklärte Verivox-Energiespezialist Vogel.

Es gibt auch ein viel kritisiertes Problem: Wer eine Grundsicherung erhält, hat nicht das Geld für energiesparende Elektrogeräte. Sogar für Erstausrüstungen, die nur einmal beantragt werden können, gibt es nur Minizuschüsse für gebrauchte Altgeräte, was die Kosten in die Höhe treibt. Und wenn Sie nicht zahlen, wird es schnell dunkel – wie in den fast 300.000 Haushalten, die 2018 abgeschnitten wurden.

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