Urlaub in den Alpen: Manche nutzen den Bergrettungsdienst nur als Taxi

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Europa Urlaub in den Alpen

Manche nutzen den Bergrettungsdienst einfach als Lufttaxi

In den bayerischen Alpen tätigen Urlauber zunehmend Notrufe. Die Bergretter müssen helfen, aber nicht alle Touristen sind im Notfall oder verletzt. Einige bestellen den Hubschrauber aus Bequemlichkeit.

| Lesezeit: 3 Minuten

Kira Hanser

Verantwortlicher Redakteur Travel / Style / Motor

Rettung mit dem Hubschrauber in den Alpen: Die Flugminute kostet bis zu 90 Euro Rettung mit dem Hubschrauber in den Alpen: Die Flugminute kostet bis zu 90 Euro

Rettung mit dem Hubschrauber in den Alpen: Die Flugminute kostet bis zu 90 Euro

Bildnachweis: picture alliance / Jan Woitas

SSie gehen verloren. Verirre dich in den Bergen. Überschätzen Sie Ihre Bergsteigerfähigkeiten auf der Straße in den Alpen. Urlauber rufen den Notruf zunehmend bescheiden an – und ihre Nachlässigkeit beschäftigt die Bergrettungskräfte. Erst am vergangenen Wochenende mussten nachts zwei temperamentvolle schwäbische Kletterer von der Nordwand des Rubihorns geflogen werden, weil sie weder hin noch her wussten.

Die freiwilligen Bergretter helfen immer, fragen Sie nicht warum. Sie sind Retter, keine Richter. Die Zahl der Einsätze in den bayerischen Alpen hat jedoch einen neuen Rekord erreicht. Allein im Jahr 2018 waren es 8.516, davon 1.688 mit dem Hubschrauber. Und diese Zahlen steigen vor allem im Sommer.

“Immer mehr Menschen suchen Erholung und Sport in unberührter Natur”, erklärt Roland Ampenberger, Sprecher der Bergwacht Bayern in Bad Tölz. „Aber die Berge sind kein großer Hochseilgarten. Ein Klettersteig auf YouTube ist eine fiktive Wahrnehmung. Draußen ist es anders. Der Bedarf an Hilfe steigt. ”

Ein neuer Trend zeichnet sich ab: Diese „Blockaden“, auf die im Fachjargon Bezug genommen wird, nehmen zu, dh die Rettung von unverletzten Personen.

Der Bergrettungsdienst ist kein ADAC in den Alpen

Klaus Burger, Luftretter und Betriebsleiter bei Bergwacht Bayern, kritisierte erstmals in einem Vortrag bei den “Alpine Legal Discussions” in München: “Die gesunde Selbsteinschätzung von Bergtouristen nimmt tendenziell ab. Die digitale Routenwelt ist manchmal gefolgt von schrecklicher Blindheit. ”

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Wettervorhersage, Tageszeit und Ausrüstung werden oft ignoriert. Auf der Jenner mussten Rettungskräfte die halbe Nacht nach zwei desorientierten Wanderern suchen, weil sie erst im Dunkeln und im Winter losgingen – allein, ohne Scheinwerfer und Schneeschuhe.

Wenn es zu anstrengend wird, wird der Hubschrauber manchmal ungeniert bestellt. Nach dem Motto: Ein Handy-Anruf reicht aus. Der Bergrettungsdienst ist aber kein alpiner ADAC. Oben zu Fuß – zurück mit dem Flugzeugtaxi.

Urlauber bestellen Hubschrauber ohne Notfall

Die österreichische Alpenpolizei sammelte dreiste Fälle: Ein Urlauber wurde wegen eines angeblichen Muskelfaserrisses ausgeflogen. Als er jedoch die Treppe hinunter landete, verzichtete er dankenswerterweise darauf, in die Klinik zu gehen, weil er “bei gutem Wetter” lieber weiter im Tal wanderte.

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Ein paar Tourenalarmierer alarmierten den Rettungshubschrauber, damit die Besatzung ihnen bei der Suche nach vermissten Personen helfen konnte – nach einem verlorenen Ski.

Ein anderer Hobby-Alpinist ließ sich barfuß ins Tal fliegen. Seine Schuhe wurden in einer Hütte gestohlen. Ein lustloser Bergurlauber hat den Hubschrauber bereits sechsmal bestellt.

Unterschied zwischen Not- und Spezialeinsätzen

Aber wer bezahlt eigentlich den Job? In den bayerischen Alpen wird zwischen Not- und Spezialeinsätzen unterschieden. Noteinsätze betreffen die Rettung von kranken oder verletzten Personen, die medizinisch versorgt werden müssen. Dann übernehmen in der Regel die Krankenkassen die Kosten.

Die Rettung einer unverletzten Person wird in Rechnung gestellt: zwischen 280 und 1125 Euro. Der Hubschrauber kostet extra: bis zu 90 Euro – pro Flugminute.

Wer gegen Unfälle versichert ist oder Mitglied im Alpine Club ist, muss in der Regel nichts bezahlen. Aber absichtliche Fehler sind sehr teuer. Ein paar Urlauber prahlen im Gipfelbuch damit, dass sie den Abstieg vermeiden wollten. Sie zahlten 2300 Euro für ihr „Hubschraubertaxi“.

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Quelle: WELT / Lena-Maria Mosel

Dieser Text stammt aus dem WELT AM SONNTAG. Gerne liefern wir sie regelmäßig zu Ihnen nach Hause.

WELT AM SONNTAG vom 12. Januar 2020

Quelle: WAMS

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