Venedig ahoi: Taxiboote mit Hybridantrieb

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Wie andere Großstädte auch leidet Venedig unter dem Verkehr. Nur eben anders. Alles, was als Linienbus, Lastwagen, Müll- und Behördenfahrzeug unterwegs ist, muss schwimmen und sich durch zum Teil enge Kanäle quetschen. Für die berühmten venezianischen Taxiboote gilt das gleichermaßen. Es sind die schönsten Taxis der Welt. Sie werden geliebt, aber auch verflucht. Denn sie tragen durch Wellenschlag zur Erosion an der historischen Bausubstanz bei, sind Teil dessen, was Lärm und Luftverschmutzung verursacht.

Aus Venedig stammen die Designer Carlo Nuvolari und Dan Lenard, die mit ihrem Studio Nuvolari Lenard zu den bekannten Größen der internationalen Yachtindustrie zählen. Mit dem Entwurf eines neuen Wassertaxi-Typs wollen sie einen grün angehauchten Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten. Nach einjähriger Testphase ist das Boot ihren Angaben zufolge von den Behörden abgenommen und marktreif, gebaut werde es in der ortsansässigen Vizianello-Werft. Kern des Konzepts ist ein dieselelektrischer Hybridantrieb.

Die spezielle Kombination eines 230 bis 270 PS starken Dieseltriebwerks von Mercury oder Hyundai mit einem Elektromotor ist Nuvolari Lenard zufolge patentiert. Das Besondere daran sei der vollautomatisch ablaufende Wechsel zwischen Elektro- und Dieselbetrieb, abhängig von der Geschwindigkeit, die der Steuermann wie gewohnt mit dem Gashebel bestimme. Geräuscharme Schleichfahrt auf den Kanälen erfolgt elektrisch, für Gleitfahrt in freien Gewässern schaltet das „Auto Shift“ genannte System den Verbrenner ein. Begrenzte Batteriekapazitäten stellen nach Meinung der Konstrukteure in Venedig kein großes Problem dar: Die Taxiboote pendelten regelmäßig mit höherem Tempo zwischen Flughafen und historischem Zentrum; während dieser Fahrten im Dieselmodus bestehe immer wieder Gelegenheit, die Batterie zu laden.





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Die Entwickler hoffen, mit ihrem Boot die „traditionell konservativen Transportunternehmen Venedigs zum Umdenken zu bewegen“. Im Design, im Layout mit der langgestreckten Kajüte und dem Einstieg übers vorne plazierte Cockpit und auch durch die Verwendung von Holz als Baumaterial orientieren sie sich an den klassischen Vorbildern. Die Abmessungen – 9,20 Meter Länge, 2,30 Meter Breite, 0,40 Meter Tiefgang – entsprechen dem Üblichen. 14 komfortable Sitzplätze gibt es.

Außer der Auto-Shift-Version soll auch eine Hybridvariante mit 300 PS leistendem Volvo-Penta-Diesel und Elektromaschine angeboten werden, bei der ausschließlich manuell zwischen beidem hin- und hergeschaltet wird. Eine reine Dieselausführung ist obendrein vorgesehen, denn als mögliche Kunden werden nicht ausschließlich venezianische Taxibetriebe in Betracht gezogen. Ein solventer Auftraggeber hat sich solch eine Edeldroschke schon als Tender für seine Superyacht bestellt.

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