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<p class=Auf dem Plakat steht: "France Télécom gesteht: Sie sollten sich bei der Arbeit selbst vernichten, nicht töten!"

(Foto: REUTERS)

Mehr als 30 France Télécom-Mitarbeiter bringen sich wegen arbeitsbedingten Psychoterrorismus um. Jetzt beurteilt ein Gericht, ob sieben Ex-Manager der Selbstmordserie schuldig sind. Ihr Chef gab einen Befehl heraus: 22.000 Menschen müssten gehen – "durch das Fenster oder durch die Tür".

Bevor Nicolas Grenoville aus Besançon am 10. August 2009 sein Leben nimmt, trifft er Vorkehrungen, damit niemand seinen Tod missversteht. Er zieht seine Arbeitskleidung an, ein T-Shirt mit dem orangefarbenen Firmenlogo, und schreibt einen Abschiedsbrief. Dann legt er sich ein Internetkabel seines Arbeitgebers um den Hals und hängt sich in seine Garage. Die letzte Nachricht des 28-Jährigen lautet: "Ich kann diesen Job nicht mehr aushalten, und France Télécom pfeift darauf."

Grenoville arbeitete vier Jahre als Netzwerktechniker für das französische Staatsunternehmen. Anfang 2009 gab ihn France Télécom jedoch unfreiwillig als Kundenberater ab, nachdem sein Job an einen Subunternehmer vergeben worden war. "Arbeitsüberlastung, reduzierte Löhne und verschlechterte Arbeitsbedingungen" in seinem neuen Post Grenoville bestätigen die Richter, die jetzt seinen Fall untersuchen. Im Frühjahr 2009, knapp ein halbes Jahr vor seinem Tod, sei Grenoville "10 bis 15 Kilogramm abgemagert", heißt es im Zeugnis eines Kollegen vor Gericht, der n-tv.de zur Verfügung stelle. "Mit der Umsetzung des Notfallplans hatte er keine Zeit zu essen."

In den Jahren 2008 und 2009 starben bei France Télécom 36 Menschen. Die Toten sind eine Anklage. Denn ihr Leben endete, weil der französische Staat Zehntausende von Arbeitnehmern in der Sparpolitik loswerden wollte – wusste aber nicht wie. Und deshalb offensichtlich auf extreme Mittel zurückgegriffen. Zunächst wird es noch als Einbildung abgetan, doch von Monat zu Monat bestätigt sich der Verdacht: Offensichtlich sind es Mobbing und psychologischer Terror am Arbeitsplatz, die die Mitarbeiter in den Tod treiben.

"Ich gehe wegen meiner Arbeit – nur deshalb"

Im Jahr 2012 leitet die Pariser Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen France Télécom und dessen damaligen Chef Didier Lombard ein. Im Jahr 2019, zehn Jahre nach der dramatischen Serie von Selbstmorden, müssen Lombard, sechs weitere leitende Angestellte und das Unternehmen selbst vor einem Pariser Gericht wegen Psychoterror, Belästigung und Repressalien stehen.

Seit Mai läuft der Prozess. Die Beweisaufnahme endet am Freitag. 39 Schicksale wurden von der Pariser Staatsanwaltschaft untersucht. Insgesamt wurden 19 Selbstmorde, 12 Selbstmordversuche und 8 Fälle von schweren Depressionen oder anderen verwandten psychischen Erkrankungen gehört. Das Urteil des Richters wird in den kommenden Wochen erwartet.

Die Ereignisse, die das Gericht seit Mai geprüft hat, gehen immer noch unter die Haut. Die Zeugen berichten von Menschen, die sich verzweifelt vor Züge geworfen, sich auf Brücken gehängt, sie verbrannt oder aus dem Fenster geworfen haben. Man rammte ein Messer in einer Stabssitzung in den Bauch.

Ein Mitarbeiter Anfang 30 schrieb zum Abschied: "Ich gehe wegen meines Jobs nach France Télécom – nur deswegen." Eine erwachsene Tochter berichtete von ihrem damals 56-jährigen Vater, einem leitenden Angestellten bei France Télécom, der am Morgen des 26. April 2011 vor einer Filiale in der Nähe von Bordeaux verbrannt wurde. Sein Tod war "die Erfüllung ihres Ziels". sie beschuldigte den Ex-Manager.

"Durch das Fenster oder durch die Tür"

Die Unannehmlichkeiten der fünf Männer und zwei Frauen im Dock waren laut den Beobachtern der Gerichtsverhandlung eindeutig. Sicher hätten sie das traurigste Kapitel ihrer Karriere vergessen. Mittlerweile ist jeder im fortgeschrittenen Alter oder im Ruhestand.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft wiegen schwer: France Télécom und CEO Lombard sollen in den Jahren 2008 und 2009 eine "Politik der Destabilisierung" im Unternehmen festgelegt haben, um die Mitarbeiter in die Kündigung zu treiben. Sie leugnen nicht einmal, dass die Manager ihre Mitarbeiter unter extremen Druck setzen. Ein wichtiger Beweis ist die Audioaufnahme eines Führungstreffens von 2006, bei dem Lombard die vorgeschriebenen Sparmaßnahmen und Entlassungen hervorhob, indem er sagte: "Im Jahr 2007 werde ich mir um die eine oder andere Abfahrt Sorgen machen – durch das Fenster oder durch die Tür. "

Auch wenn Lombard, der zu dieser Zeit Berater des damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy war, vor Gericht erklärte, dass dies nicht wörtlich gemeint sei, geschah es genauso. In der Galerie des Gerichts sitzen Gewerkschafter mit T-Shirts, auf denen seine Worte auffallen: "Das Fenster oder die Tür".

Der beschuldigte ehemalige Personalchef Olivier Barberot gibt zu, dass Psychoterror ein Klima der Angst geschaffen hat. In seinem Zeugnis berichtete er, dass die Führung ausdrücklich ermutigt wurde, psychologische Mechanismen einzusetzen, die den Mitarbeitern laut Gerichtsdokumenten "den Wunsch nach einem neuen Leben" machen würden. Es ist die Rede von gezielter "Frustration". Kurz gesagt: Die Geschäftsführung sollte alle Mittel einsetzen, um die Mitarbeiter zum Verlassen des Unternehmens zu bewegen.

Manager betrachteten Psychoterror als Alternative

Heute heißt France Télécom Orange und ist eines der größten Unternehmen des Landes. Dem hoch verschuldeten Staatsunternehmen wurde daraufhin eine radikale Sparmaßnahme verordnet. Innerhalb von drei Jahren soll die Belegschaft um rund 22.000 Mitarbeiter auf 98.000 Mitarbeiter schrumpfen. Das war der Plan.

Das Problem: Aufgrund des strengen Kündigungsschutzes in Frankreich – zwei Drittel der Beschäftigten waren Beamte – konnte der Abbau nur über "freiwillige" Abgänge erfolgen. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise hielten die Menschen an ihrer Arbeit fest. France Télécom galt als sicherer Arbeitgeber. Die "Lösung": Belästigung, die den Mitarbeitern den Job zur Hölle macht: Zu viel, zu wenig oder gar keine Arbeit wird auf andere Jobs übertragen, auch in anderen Städten und das alles mehrmals hintereinander. Alles wurde getan, um die Angestellten loszuwerden.

Der sensationelle Prozess hat Frankreich tief gespalten. Wo beginnt Geschäftssinn und wo hört er auf? Welche Verantwortung haben Unternehmen und ihre Führungskräfte für ihre Mitarbeiter? In Zeiten der Yellow West-Proteste und des Versuchs von Präsident Emmanuel Macron, Frankreich durch Kürzung von Sozialleistungen und Arbeitnehmerschutz wirtschaftsfreundlicher zu machen, sind die damaligen Ereignisse wieder auf dem neuesten Stand.

Beratung und Soforthilfe bei Suizidrisiko und Depression

  • Bei Selbstmord: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonische Beratung (0800 / 111-0-111 oder 0800 / 111-0-222 oder 116-123, kostenlos) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel: 0800 / 111-0-333 oder 116-111) ; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Die Deutsche Depressionshilfe umfasst regionale Krisendienste und Kliniken sowie Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • Betroffene und Angehörige sind in die Deutsche Depressionsliga involviert. Es gibt auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Einen Überblick über Selbsthilfegruppen zu Depressionen geben die lokalen Kontaktstellen (KISS).

Das France Télecom-Verfahren ist ein Präzedenzfall. Dies ist das erste Mal, dass französische Chefs wegen systematischer Belästigung, die zum Tod von Arbeitern führte, angeklagt wurden. Die Richter entscheiden nicht weniger als die Frage, wie weit ein Unternehmen gehen kann, um Schulden abzubauen und wieder Geld zu verdienen. Die Beweise sind überwältigend. Dennoch ist die rechtliche Situation nicht klar. Mobbing ist keine Straftat. Ob die ehemaligen Chefs hinter Gittern stehen, wird sich erst beim Urteil zeigen.

Sie wehren sich, indem sie darauf hinweisen, dass ihre Firma damals unter starkem Druck stand. "Wir hätten es viel schonender angehen können, wenn nicht die Konkurrenz an unsere Tür geklopft hätte", sagte Ex-Chef Lombard laut "New York Times" vor Gericht. "Ich hätte nichts tun können", zitiert der britische Guardian.

Wenn die Manager verurteilt werden, droht ihnen eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und eine Geldstrafe von 15.000 Euro. Das Urteil könnte die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zumindest strafrechtlich auf eine neue Grundlage stellen. Der orangefarbene Gewerkschaftschef Sebastien Crozier hofft, dass der Prozess abschreckend wirkt, "damit das Management nie wieder soziale Gewalt anwendet, um die Menschen zum Gehen zu bringen".

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