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Russische Einmischung in US-Wahlkampf: Anklage zu einer heiklen Zeit

Russische Einmischung in US-Wahlkampf: Anklage zu einer heiklen Zeit

In nur wenigen Tagen werden sich Trump und Putin treffen – umso bedauerlicher ist es für den US-Präsidenten, dass sein Justizministerium Anklage gegen zwölf Russen wegen Einmischung in den US-Wahlkampf erheben muss.

Von Martin Ganslmeier, ARD Studio Washington

Bisher war es ein Beweis für amerikanische Intelligenz. Jetzt hat die US-Justiz die Ergebnisse des Sonderforschers Robert Mueller vor: Es besteht kein Zweifel mehr, dass es Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes waren, die während der amerikanischen Präsidentschaftskampagne die Computer von Hillary Clinton und 300 ihrer Angestellten gehackt haben, sagte Rod Rosenstein Der stellvertretende US-Justizminister sagte: "Die Anklage richtet sich gegen zwölf russische Militäroffiziere mit Namen, und mit ihrer Verschwörung versuchten sie, die Präsidentschaftswahl 2016 zu beeinflussen."

Ab März 2016 betraten die russischen Geheimdienstler erstmals den Computer von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta und erreichten 50.000 E-Mails. Am 27. Juli 2016 erhielten russische Hacker Zugang zu den Computern von Hillary Clinton und ihren engsten Mitarbeitern.

"Ich hoffe, du kannst die Mails finden"

Ob Zufall oder nicht: Am selben Tag richtete der damalige Präsidentschaftskandidat Donald Trump bei einer Wahlveranstaltung einen umstrittenen Appell an Russland: "Russland, wenn Sie zuhören: Ich hoffe, Sie können die 30.000 verschwundenen Mails finden."

Dies bezieht sich auf die Mails, die nach der Zerstörung der Festplatte des privaten Computers von Hillary Clinton fehlten. Offensichtlich hörten russische Hacker Trumps Anruf. Nach Erkenntnissen des Sonderforschers Mueller haben sie zwei gefälschte Identitäten geschaffen, über die sie die gehackten Mails des Clinton-Teams veröffentlichten: einerseits die Plattform "DCLeaks", andererseits die anonyme Person "Guccifer 2.0".

Eine andere Organisation hat "Guccifer 2.0" kontaktiert, um Material gegen Clinton zu veröffentlichen. In der Anklage gegen die US-Justiz wird die Organisation nicht genannt. Experten vermuten, dass dies WikiLeaks sind.

Trump reagierte immer noch in London auf die neuen Anklagen. Die Aktionen seines eigenen Justizministeriums und des Sonderforschers bezeichneten Trump als "Hexenjagd, eine manipulierte Hexenjagd".

Weißes Haus: Müller soll seine Arbeit beenden

Da die Anklageschrift nur 12 Russen, aber keine US-Bürger anspricht und nicht zum Mitglied des Wahlkampfteams von Trump ernannt wird, fühlte sich das Weiße Haus bestätigt. Trumps Anwalt Rudy Guiliani sagte, es sei an der Zeit, die Arbeit von Special Investigator Mueller zu beenden.

Im Gegensatz dazu forderten die Demokraten, dass Trump sein Gipfeltreffen mit Putin sofort absagen sollte. Demokratischer Senator Mark Warner: "Der Präsident und sein Team wollen die Fakten dieser Anklageschrift in Helsinki nicht zur obersten Priorität machen, daher sollte der Gipfel abgesagt werden."

Trump versprach, die russische Einmischung in Putin anzusprechen. In den letzten Monaten hatte Trump sich hauptsächlich auf Putins Zusicherungen bezogen, dass dies nichts mit der Einmischung in die US-Wahlen zu tun habe. Der investigative Journalist Carl Bernstein sagte gegenüber CNN: "Dies war ein militärischer Akt der Russen, es war Cyberkrieg, um das wichtigste Problem in unserer Demokratie zu unterminieren."

Aus der Anklage geht jedoch nicht hervor, ob die Hackerangriffe russischer Geheimdienste das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl verfälscht oder manipuliert haben.

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