WashingtonBeide Männer verstanden sich blendend. Als US-Präsident Donald Trump gemeinsam mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda den Rosengarten des Weißen Hauses betrat, lächelten sie Seite an Seite. Trump pries die „sehr, sehr starke Freundschaft” der beiden Länder, er sprach lange über das „warme Gefühl”, das er mit Polen verbindet. Duda bedankt sich und schwärmte von Trumps Besuch in Warschau vor zwei Jahren. Damals nannte Trump Polen „das Herz Europas” und wurde von Tausenden Menschen umjubelt. Jetzt lobte Duda den US-Präsidenten als „wahren Verbündeten Polens”, und auch als „wahren Verbündeten Europas”.

Doch ob Trump tatsächlich der ganze EU verbunden ist, ließ der US-Präsident erneut diesen Zweifel aufkommen. Vielmehr nahm er den Besuch Dudas zum Anlass, die EU in guten und schlechten Partner zu unterteilen. Polen, dessen Regierung konservative Werte vertritt und das genannte Zwei-Prozent-Ziel der Nato einhält, stünde eindeutig auf der guten Seite, betonte Trump. Scharfe Kritik hingegen übte er an Deutschland, immer wieder Deutschland. Mehrfach sprach Trump the kontroversen an, the ratio between berlin and washington since geraumer time. Trump erneuerte am Dienstag Sanktionsdrohungen gegen die deutsch-russische Gas-Pipeline.

US-Truppen von Deutschland nach Polen?

Im Zusammenhang mit dem NATO-Streit wird eine mögliche Entscheidung in Aussicht gestellt, die im Fall einer Umsetzung ein klarer Affront gegen Deutschland wäre. So erwägt die US-Regierung, einen Teil der in Deutschland stationierten US-Soldaten nach Polen zu verlegen. Dass die USA ihre Truppenpräsenz in Polen erhöhen, ist schon länger im Gespräch, doch bisher folgten keine konkreten Schritte.

Eine endgültige Entscheidung wäre noch nicht gefallen, sagte Trump, doch denkbar wäre die Verlegung von bis zu 2000 Soldaten. Es werden keine zusätzlichen Truppen, betonte der US-Präsident. Stattdessen sollen innerhalb Europas Soldaten verlegt werden, aus Deutschland oder anderen Ländern.

Obwohl es umstritten ist, wie sich diese mit dem Nato-Regelwerk vereinbaren ließe. Viele Polen sehen in den USA die Schutzmacht gegen eine russische Bedrohung, die an der Ostflanke der NATO seit Beginn der Ukrainekrise besonders stark wahrgenommen wird. Derzeit sind 4000 US-Soldaten in Polen stationiert. Trump legte nun nahe, Deutschland müsste ein paar Tausend US-Soldaten entbehren. Derzeit sind dort 52.000 US-Soldaten stationiert, sagte Trump, tatsächlich aber sind es rund 35.000.

Doch der Punkt in Trumps Drohungen lag nicht in Zahlenspielen. Denn Trump verknüpft das Ziel, Truppen im Osten des NATO-Bündnisses aufzustocken, direkt und ohne Umwege mit Deutschlands Verteidigungsbudget, das aus Sicht Washingtons zu niedrig ist. „Deutschland steht bei einem Prozent, es sollte bei zwei Prozent sein, und es kommt nicht schnell genug da hin”, sagte Trump missbilligend, in Anspielung auf deutsche Militärausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt. „Wir würden auch eine bestimmte Anzahl von Truppen nach Polen verlegen.”

„Deutschland macht einen Riesenfehler”

Auch beim hoch umstrittenen Thema Nord Stream 2 erinnerte Trump daran, dass die USA nicht locker werden. "Deutschland macht einen Riesenfehler, sich auf die Pipeline zu verlassen", sagte Trump, "Deutschland wird enorme Probleme bekommen, wenn 50, 60 oder 70 Prozent seiner Energie aus Russland kommt." würde, dazu machte Trump keine Angaben. Doch es wurde klar, dass der Streit nicht in den Hintergrund geraten wird: „Deutschland sollte kein russisches Gas kaufen”.

Trump verkehrt mit seinem Rundumschlag mit Punkten, denn beide Themen sind innerhalb Deutschlands umstritten, und innerhalb der EU ohnehin. So ist Polen ein Gegner von Nord Stream 2, die Bundesregierung hält trotz Sanktionsdrohungen an der Pipeline fest. In Deutschland ist das Ziel der EU-Staaten bereits erfüllt, und es wird keine drastische Erhöhung des Militärbudgets in Sicht – auch wenn CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer am Dienstag in Berlin erneut zum Zwei-Prozent -Ziel bekannte.

Trump scheint diese Spaltung innerhalb der EU zu nutzen, um eigene Interessen vorantreiben zu können. Der Schulterschluss mit Polen war kein subtiles Signal an Deutschland, sondern eine überaus wichtige Warnung, dass Washington den Druck aufrecht erhalten wird.

Während sich Polen zum Kauf von amerikanischen F35-Kampfflugzeugen verpflichtete und um mehr US-Truppen warb, eröffnete Trump eine neue Runde im NATO-Streit mit Deutschland. Und während Trump Deutschland vorwarf, wird es in der Energieversorgung zu „Geisel Russlands” gehen, besiegelte er mit Polen die Fortsetzung einer Flüssiggas-Kooperation: Laut Trump wird Polen zusätzliches LNG im Wert von acht Milliarden US-Dollar importieren. Die Freundschaft der USA mit Polen, sie entfaltete am Dienstag erst in der Abgrenzung zu Deutschland ihre volle Außenwirkung.

Mehr: Deutschland wird seine Beziehung zu Russland verbessern. Manche sprechen auch schon über die Aufhebung der Krim-Sanktionen. Das liegt auch an Nord Stream 2.

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