Wenige Lehren aus Corona: Beim europäischen Vorgehen gegen das Affenpockenvirus scheint jeder für sich zu sein

An diesem Wochenende bildete sich eine lange Schlange vor dem Impfzentrum in Lille, wo sich auch viele Belgier gegen das Affenpockenvirus impfen ließen. Sie erfüllen zwar die französischen Voraussetzungen für eine Injektion, aber nicht die belgischen. Diese müssen aufgrund eines Mangels an Impfstoffen in unserem eigenen Land strenger sein. Allerdings sollte auf europäischer Ebene zusammengearbeitet werden, um Differenzen zu vermeiden.

Koen Bäumer

Heute um 03:00

In Belgien seien nur etwas mehr als dreitausend Impfstoffe gegen das Affenpockenvirus vorrätig, so dass es unmöglich sei, alle Risikogruppen abzurufen. In Frankreich schon – man kann sogar ohne Termin vorbeikommen.

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Dies führte zu langen Warteschlangen in Lille, gleich hinter der Grenze zu Westflandern. Es war bis zu 100 Meter langes Anstehen auf dem Bürgersteig. Auch viele Belgier halten sich an die französischen, aber nicht an die belgischen Regeln. Frankreich habe „genug, um die gesamte Zielgruppe zu impfen – etwa 250.000 Menschen“, sagte der französische Gesundheitsminister François Braun.

Die für Belgien bestellten 30.000 Dosen sind erst im Herbst fällig. Die Europäische Union hatte jedoch beschlossen, enger zusammenzuarbeiten. „Die Coronavirus-Pandemie hat deutlich gemacht, dass in gesundheitlichen Notlagen ein EU-weit koordiniertes Handeln erforderlich ist“, erklärte die Europäische Kommission Anfang letzten Jahres. „In Bezug auf Angebot und Nachfrage, Bereitschaft und Reaktion sind Lücken entstanden.“

HERA musste die Lösung liefern. Die Health Emergency Preparedness and Response Authority sorgte weiterhin für „bessere Vorsorge“ und „bessere Reaktion auf schwerwiegende grenzüberschreitende Bedrohungen“. Und das, indem „die notwendigen Einrichtungen schnell verfügbar, zugänglich und verteilt werden“.

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Die Warteschlange in Lille am Samstagmorgen.

Die Warteschlange in Lille am Samstagmorgen. © AFP

Aber die Reaktion scheint langsam und unkoordiniert. Die ersten Fälle von Affenpocken traten im Mai auf, aber HERA bestellte die ersten Dosen erst Mitte Juni. Deutschland und Spanien hatten zu diesem Zeitpunkt bereits eigene Bestellungen aufgegeben. Die Weltgesundheitsorganisation forderte die EU Anfang Juli auf, das Virus ernster zu nehmen, da 90 Prozent der Fälle auf diesem Kontinent aufgetreten seien.

Mitte Juli erhöhte HERA die Bestellung auf insgesamt 163.620 Stück. Inzwischen wurden in Europa 13.000 Fälle bestätigt, davon etwa 500 in Belgien. Zum Vergleich: Australien, wo 57 Fälle gezählt wurden, bestellte sofort 450.000 Dosen. Letzte Woche hat Präsident Joe Biden in den Vereinigten Staaten den Gesundheitsnotstand ausgerufen.

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