Zugreise durch Südkorea: Hier können Sie sich auf den Zug verlassen

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eErst ein Kommentar der Nachbarin Jana verrät, dass im KTX von Seoul nach Busan etwas fehlt. Wenn Sie aus dem Fenster schauen, fühlen Sie sich einfach hungrig. "Die Bäume auf den Hügeln sehen aus wie Brokkoli", sagt sie. Dicht, tiefgrün und irgendwie lecker.

Das kulinarische Bedürfnis kann sie aber nicht befriedigen, denn es gibt kein Bordbistro wie in einem deutschen Schnellzug. Ein Verkaufsautomat mit Müsliriegeln, Nüssen und Wasser pro Fach muss ausreichen.

Ein Tropfen der Bitterkeit Immerhin wirbt das staatliche Unternehmen Korail mit seinen Hochgeschwindigkeitszügen als "First Class" – doch neben komfortablen Sitzen, kostenlosem WLAN, sauberen Abteilen und reibungsloser Buchung sollte es noch etwas mehr Luxus geben.

Südkorea: an Bord des KTX-Expresszuges

Im KTX-Expresszug gibt es kostenfreies WLAN, aber anstelle eines Bistros gibt es nur Verkaufsautomaten für Snacks und Getränke

Quelle: Bloomberg SeongJoon Cho

Aber der Geschwindigkeitsrausch auf der Gyeongbu-Linie (Seoul – Daejeon – Dongdaegu – Busan) gleicht das aus. Die 417 Kilometer entfernte Hafenmetropole an der Ostsee ist in nur zweieinhalb Stunden zu erreichen. Normalerweise werden die Zugfrequenzen ohne Verzögerung intelligent zeitgesteuert.

Der Hochgeschwindigkeitszug brachte ein umfangreiches Netz

Diese KTX-Route ist die erste, die vor fast genau 20 Jahren am 16. Dezember 1999 eröffnet wurde. Für Südkorea ist eine neue Ära der Mobilität angebrochen. Aus wirtschaftlichen Gründen, wie unser Begleiter Byeong-cheol Gang sagt, der sich der Einfachheit halber Charlie nennt. "Effizienz und Schnelligkeit waren wichtig für die Wirtschaft", sagt der Rentner, der aufgrund seines Ingenieurstudiums in Württemberg hervorragend Deutsch spricht.

Der KTX, ein Derivat des französischen TGV, war die Lösung. Mit diesem Hochgeschwindigkeitszug wurde ein landesweites Hochgeschwindigkeitszugnetz geschaffen, das nicht nur koreanische Arbeiter und Manager schnell und exakt nach Fahrplan ans Ziel bringt.

Die Bahnstrecke durch Südkorea

Quelle: WELT Infografik

Sogar Nicht-Koreaner wie wir profitieren davon, weil die Züge eine ideale und umweltfreundliche Art sind, sich im Land fortzubewegen. Zumal die koreanische Staatsbahn Korail ein besonderes Reiseangebot bietet: Mit dem Korail-Pass können nur Ausländer das gesamte 4087 km lange Streckennetz von Korail nutzen – und nicht nur die KTX-Expresszüge.

Die langsameren Züge wie ITX, Saemaeul, Mugunghwa, Nuriro und einige Touristenzüge sind auch für Passinhaber kostenlos. Es spielt keine Rolle, ob Sie die Züge an aufeinanderfolgenden Tagen benutzen oder, abhängig von der Ticketvariante, die Zeit angleichen, um sich so viel wie möglich an Ihrem Ziel zu gönnen.

Züge mit Panoramafenstern ziehen Touristen an

Wenn Sie beispielsweise die heimischen Regionen Gangwon-do oder Gyeongsangbuk-do entdecken möchten, nehmen Sie den O-Zug und fahren Sie mit maximal 150 Stundenkilometern durch die Gegend. Attraktiv ist auch der Seatrain Coastal Train, der auf einer 58 km langen Strecke von Gangneung nach Samcheok an der Ostküste entlang schnüffelt.

Südkorea: Menschen, die auf dem Bahnsteig der Gyeongui-Linie in der entmilitarisierten Zone warten

Warten am Bahnsteig der Gyeongui-Linie in der entmilitarisierten Zone

Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Es ist auch landschaftlich mit dem V-Zug, wo das V für Tal steht. Die Züge rollen mit nur 30 Stundenkilometern durch die Baekdudaegan-Schlucht, und Panorama-Glasscheiben bieten einen Blick auf tiefe Täler und bewaldete Bergketten.

Die entmilitarisierte Zone (DMZ) nördlich von Seoul ist ebenfalls ein beliebtes Ziel, das auch mit dem Korail-Pass erreichbar ist: Seit 2014 verbindet der DMZ-Friedenszug auf der Gyeongui-Linie die beiden Städte Seoul und Dorasan von Mittwoch bis Sonntag, Abfahrt in Seoul Seoul um 10.15 Uhr

Südkorea: Ein Soldat im bunt gestalteten DMZ-Friedenszug

Ein südkoreanischer Soldat im bunt gestalteten DMZ-Friedenszug

Quelle: picture alliance / newscom

Der Friedenszug ist mit seinen Blumenbildern und bemalten Händchen haltenden Kindern etwas kitschig, führt aber bis zu 650 Meter zur DMZ. Von hier aus gibt es nur einen Shuttlebus, um wirklich nahe an die Grenze zu gelangen und Nordkoreas Herrscher Kim Jong-un zu sehen.

Ausflug zu den Königsgräbern in Gyeongju

Charlie habe die DMZ auch oft besucht, als der Zug langsamer wurde. Andere Orte wie Gyeongju, das nächste Ziel unserer Zugreise, wurden bisher nur von wenigen Westlern besucht. Die fast 2.000 Jahre alte ehemalige Hauptstadt des Landes strahlt einen Hauch von traditionellem Korea aus, den Besucher in den Hochhausschluchten von Seoul und Busan kaum finden können.

Der Bahnhof ist nicht ganz so futuristisch wie der von Seoul. Hier kündigen keine hochmodernen 8K-Bildschirme die Abfahrtszeiten an, sondern ältere, weniger hochauflösende. Es fehlen auch westliche und koreanische Bars und Fast-Food-Ketten. Ein Kiosk, ein Warenstand mit lächelnden Bären, das ist es.

Die Sehenswürdigkeiten sind auch nicht zu Fuß oder mit der U-Bahn zu erreichen wie in den Metropolen, ein alter Niederflurbus oder Taxis müssen ausreichen, um zu den Reliquien des Silla Kingdom zu gelangen. Sogar die Koreaner haben einige von ihnen erst vor einigen Jahrzehnten wiederentdeckt.

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Südkorea: Könige des ehemaligen Silla-Reiches sind unter der Stadtmauer von Gyeongju begraben

Könige des ehemaligen Silla-Reiches sind unter den Erdmauern von Gyeongju begraben

Quelle: Sven Schneider

Zum Beispiel galten die bis zu 30 Meter hohen Gipfel, die sich über die gesamte Gyeongju-Ebene bis zum Himmel erstrecken, lange Zeit als normale Erdmauern. Aber es waren Gräber der alten Könige, in denen Archäologen legendäre Schätze und Sarkophage fanden.

Heute kann dieses Weltkulturerbe besucht werden – ohne moderne Bevölkerung wie Audioguides oder flackernde Videoanzeigetafeln. Hier stehen Sie noch in langen Schlangen der Koreaner an, schlendern ein wenig zwischen den Grabhügeln und können ruhig über die nächsten Ziele nachdenken.

Südkorea: Ein Pavillon des Bulguksa-Tempelkomplexes, der nationale Schätze beherbergt

Ein Pavillon des Bulguksa-Tempelkomplexes, der nationale Schätze beherbergt

Quelle: Sven Schneider

Vielleicht der buddhistische Tempelkomplex Bulguksa, der seit 1995 ebenfalls auf der Unesco-Liste steht und mehrere koreanische Nationalschätze beherbergt. Oder die benachbarte Seokguram-Grotte, die direkt neben dem Tempel in den Granit gehauen ist und in der nicht nur Buddha, sondern auch zahlreiche Naturgeister leben.

Der Bahnhof in Busan sieht aus wie ein Flughafen

Wenn Sie nicht alles auf einmal ertragen möchten, halten Sie einfach in einem der zahlreichen traditionellen Hanok-Gasthäuser an, um Ihre Reisepläne nach einer Nacht auf dem Boden zu überdenken – es gibt keine Betten, nur Matratzen.

Wir haben uns bereits entschieden: für Busan, eine andere Metropole in Ostasien, für eine Mischung aus rauchenden Woks und Wolkenkratzern, die gar nicht so weit weg ist. Der KTX benötigt für die fast 80 Kilometer in Luftlinie zwischen Gyeongju und Busan nur eine halbe Stunde – schneller geht es nicht.

Hightech ist zurück am Busan Bahnhof. Ähnlich wie in Seoul mit seinen Glasfassaden und einem geometrischen Stahlrahmen ähnelt das 16 Jahre alte KTX-Terminal eher einem internationalen Flughafen als einem Bahnhof.

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Hier flackern wieder die 8K-Bildschirme, Coffeeshops und Mini-Malls warten auf eilige Kunden. Nach der Erfahrung mit Gyeongju können wir nicht aus unserem Staunen herauskommen und Charlie muss unsere Hand nehmen, damit wir nicht wegen unserer erhobenen Köpfe mit hastigen Koreanern kollidieren.

Nord- und Südkorea prüfen eine Eisenbahnverbindung

Busan ist der zweitgrößte Wirtschaftsstandort des Landes und kennt das Treiben nur zu gut – ein Eindruck, den auch der Jagalchi-Fischmarkt im Jung-gu-Viertel in Hafennähe vermittelt. Zehntausende von Besuchern huschen mit den mehr als 2.000 Einzelhändlern durch die Gänge, um Fisch und Meeresfrüchte zu kaufen, von denen nur wenige Westler wussten, dass es sie gibt.

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Das Ende einer facettenreichen Zugreise durch Südkorea rückt näher und wie schön wäre es, nicht zurückzufliegen, sondern mit dem Zug nach Deutschland zurückzukehren. Theoretisch wäre das möglich, weil es einen Schienenanschluss gibt.

Dies ist jedoch an der innerkoreanischen Grenze gesperrt. Immerhin prüfen Süd- und Nordkoreaner seit einiger Zeit gemeinsam, ob sich das Zugnetz der beiden koreanischen Staaten irgendwann technisch und logistisch verbinden lässt.

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Kioske in Pjöngjang, Nordkorea

Wenn es soweit ist, können Sie sogar mit dem Zug von Busan über Seoul und Pjöngjang nach China und von dort aus über die Mongolei, Russland, Weißrussland und Polen nach Berlin fahren. Für diese Route müssten Sie jedoch einige Wochen einplanen.

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Nach ihrer Freilassung kamen Soldaten aus Nordkorea über die geschlossene Freiheitsbrücke in den Süden

Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com/dpa

Tipps und Informationen

Dahin kommen: Asiana Airlines fliegt täglich nonstop von Frankfurt nach Seoul, alternativ mit Finnair über Helsinki.

Unterkunft: Seoul: "Lotte Hotel": literarisch dank des Namens von Goethes "Werther", Übernachtung im Doppelzimmer ab ca. 180 Euro (lottehotel.com);

Gyeongju: Hanok-Gästehaus "Hwangnamguan": Die Einrichtung ist spartanisch, aber traditionell. Eine Übernachtung im Doppelzimmer mit Frühstück kostet etwas mehr als 50 Euro pro Person (hanokvillage.co.kr).

Busan: "Haeundae Grand Hotel": In Küstennähe, sehr gut und komfortabel ausgestattet, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß erreichbar, Übernachtung im Doppelzimmer ab ca. 175 Euro pro Person (haeundaegrandhotel.com).

Mit dem Zug fahren: Der Korail Pass ist für zwei bis fünf Tage erhältlich. Wie oft Sie in diesen Zeiträumen welchen Zug nehmen, ist optional. Es gibt zwei Buchungsklassen: Fortlaufender Pass (für drei bis fünf aufeinanderfolgende Tage) und Flexibler Pass (für zwei bis vier ausgewählte Tage). Erwachsene zahlen beispielsweise 162 Euro für einen fünftägigen Pass, Kinder 81 Euro; Wenn Sie zwei Tage wählen, zahlen Sie 93 Euro oder 47 Euro (letskorail.com).

Pauschalreisen: Tischler-Reisen bietet eine siebentägige Privattour (ohne Reiseleiter) von Seoul über Gyeongju nach Busan ab 952 Euro pro Person im Doppelzimmer ohne Flug an. Bahntickets für die einzelnen Verbindungen sind inklusive (tischler-reisen.de). Bei Ameropa kostet eine zehntägige Zugreise mit Mahlzeiten, Transfers, Ausflügen und Besichtigungen ab 3990 Euro pro Person, Flüge ab 850 Euro (ameropa.de).

Informationsschalter: german.visitkorea.or.kr/ger/index.kto

Die Teilnahme an der Reise wurde vom koreanischen Fremdenverkehrsamt, Asiana Airlines und Tischler-Reisen unterstützt. Unsere Standards für Transparenz und journalistische Unabhängigkeit finden Sie unter axelspringer.de/unabhaengigkeit.

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Japans Shinkansen-Züge sind extrem pünktlich und sicher. In über 50 Jahren Geschichte hat es noch nie einen Unfall gegeben. Jetzt wurde die neue Generation des Zuges vorgestellt.

Quelle: WELT / Kevin Knauer

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