Home Wirtschaft Zuversicht an den Märkten wackelt

Zuversicht an den Märkten wackelt

Das Minus am Freitag aber zeigt, dass es in diesen Tagen nach wie vor schwer fällt, an einen anhaltenden Strom positiver Nachricht und den Aufschwung zu glauben. Der deutsche Leitindex beendete die Woche mit einem Minus von 1,6 Prozent bei 12.089 Punkten.

Vor allem eine Frage steht für Anleger im Zentrum: Wie nachhaltig ist die Mitte März begonnene Rally? Zu den Optimisten zählt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. „Die Phase der Zuversicht hat die Phase der Hoffnungslosigkeit längst abgelöst“, glaubt er. Er verweist auf die hohe Liquidität am Markt und die politischen Faktoren, die den Markt stützen.

Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank in Essen scheint laut einer Reuters-Meldung ähnlich wohlwollend nach vorn zu blicken: Je höher der Markt steigt, desto größer werde für die bislang zurückhaltenden Investoren der Druck, auch dabei sein zu müssen.

Die Ausgangslage liest sich eindeutig: Zwar liegt der Dax immer noch unter Vorkrisenniveau, hat sich aber seit Mitte März um 43 Prozent erholt.

Ausblick weiter unsicher

Der positive Wirtschaftsausblick des Ifo hat aber seine Tücken, bemerkt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. Zum einen bedeute ein Einkaufsmanagerindex im Bereich von 50 Punkten nicht, dass sich die Wirtschaft wieder im Normalzustand befinde.

„Er zeigt lediglich an, dass im Vergleich zum Vormonat keine weitere Verschlechterung eingetreten ist“, sagt Bielmeier. Außerdem beruhe der starke Anstieg beim Ifo-Index vor allem auf den Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Dass die Unternehmen hier eine Verbesserung gegenüber der trüben Gegenwart erwarten, sei allzu verständlich.

Letztlich bleibt der Ausblick der Firmenlenker unsicher. Wie sich die Corona-Pandemie weiterentwickelt, ist schlicht unberechenbar. Die hohen Infektionszahlen in den USA und Südamerika zeigen, dass die Pandemie alles andere als vorüber ist.

Unklarheit bleibt nicht zuletzt beim Blick auf die Gewinne der Unternehmen. Das hat auch Nike gezeigt, dessen Erträge zuletzt deutlich schwächer waren als von Analysten prognostiziert.

John Vail, Chef-Globalstratege von Nikko Asset Management, rechnet selbst bei zunehmenden fiskalischen und monetären Stimuli mit enttäuschendem Wirtschaftswachstum. „Schwächere Gewinnprognosen für 2021 sollten die Märkte etwas abkühlen“, erklärt er. Globalen Aktien- und Anleihenindizes stünden daher leichte Verluste bevor.

Schwankung statt Aufschwung, damit rechnet auch die Commerzbank. In den kommenden Wochen erwarten sie Dax-Kurse zwischen 11.500 und 12.800 Punkten.

Letztlich wird durch die Pandemie in diesen Tagen das politische Geschehen an vielen Stellen übertüncht. Da ist zum einen die Präsidentschaftswahl in den USA, deren möglichen Ausgang einige Marktteilnehmer im Sommer und im Herbst noch abwägen werden.

In Europa drängt das Thema Brexit erneut in den Vordergrund. Die Gespräche kommen nicht voran. Bis Dienstag könnte der britische Premierminister Boris Johnson eine Verlängerung der Übergangsfrist beantragen, was er aber wiederholt abgelehnt hat. Das Risiko eines harten Brexit ohne Deal wird wieder denkbar.

Und dann ist da ja noch der Handelskonflikt zwischen den USA und China, der nach wie vor nicht gelöst ist. In der Coronakrise hat sich das Verhältnis der beiden größten Volkswirtschaften der Welt weiter verschlechtert.

Sichere Häfen gefragt

All diese Unklarheiten sorgen eher für Nervosität als für abgeklärte Zuversicht an den Aktienmärkten. Sichere Häfen rücken erneut in den Fokus. An den Devisenmärkten waren zuletzt der Schweizer Franken und der Yen gefragt.

Am Rohstoffmarkt greifen Anleger verstärkt zu Gold. Am Weltmarkt nähert sich der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) seinem Allzeithoch. Derzeit kostet eine Feinunze 1765 Dollar. Im September 2011 lag er knapp über 1921 Dollar. Allein im Vergleich zum Vorjahr hat der Kurs um ein Viertel zugelegt. Für Euro-Anleger gab es in diesem Jahr bereits mehrere Allzeithöchststände. Derzeit liegt der Goldpreis in Euro bei 1575.

Weil die US-amerikanische Wirtschaft weiterhin auf massive Unterstützung durch Geld- und Fiskalpolitik angewiesen sei, die Liquidität der Zentralbank und die Staatsverschuldung zunehmen werden, spreche einiges für eine robuste Nachfrage nach Gold als sicheren Hafen und wertstabile Anlage, erklären die Analysten der Commerzbank.

Indizien dafür, wie es um die amerikanische Wirtschaft bestellt ist, liefern in der kommenden Woche Konjunkturdaten. Am Donnerstag werden Zahlen für den Arbeitsmarkt veröffentlicht.

Bereits am Dienstag gibt es Neuigkeiten zur Inflationsentwicklung in Europa. Daten zur europäischen Arbeitslosenquote werden am Donnerstag, zum Einkaufsmanagerindex am Freitag verkündet. Am kommenden Dienstag halten sowohl die Vonovia als auch RTL ihre Hauptversammlung ab.

Mit Material von Reuters.

Mehr: Für die Rally der Schwellenländer gibt es große Risiken.

.

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Most Popular

WHO stellt neuen Weltrekord für Infektionsfälle auf – Executive Digest

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete diesen Freitag einen Rekordanstieg bei Coronavirus-Fällen weltweit. In nur 24 Stunden gab es 292.527 neue Fälle. Die größten Zuwächse wurden...

Invima-Alarm für das Risiko von KN95-Masken mit Werksdefekt

Invima warnte letzten Donnerstag vor der importierten Maske...

Fußball – Die Berner Polizei mildert die Freude der Anhänger der Jungen

Die Feierlichkeiten nach dem Schweizer Fußballtitel der Jungen werden aufgrund des Coronavirus von der Polizei genau beobachtet.Gepostet: 31.07.2020 23:13 UhrViele Young Boys-Fans feierten am...

Recent Comments

Rainer Kirmse , Altenburg on Die größte 3D-Karte im Universum